Heublütenfreie Zeiten –
So überwintern die Wildbienen

Wenn es draußen frostig kalt ist und der Schnee fällt, wärmen wir Menschen uns gerne im trauten Heim und genießen die Gemütlichkeit. Die Milchkühe sind in den kalten Monaten gut durch ihr Winterfell geschützt und werden von den Woerle-Bauern liebevoll umsorgt. Der Imker hat die Honigbiene rechtzeitig auf den Winter vorbereitet und sie kuschelt schon lange dicht an dicht zusammen mit ihrem Volk sicher und mollig warm im Stock.  Aber was machen die Wildbienen während der monatelangen Kälte?

Heublütenfreie Zeiten – So überwintern die Wildbienen

Wildbienen und Hummeln – Einzelgänger

„Im Gegensatz zu Honigbienen leben die meisten Wildbienenarten als Einzelgänger und bilden meist keine oder wenn nur einjährige Völker. Die Wildbiene lebt in der Regel ca. 4 – 8 Wochen und erlebt den Winter meist gar nicht.“ erklärt Ökologe Prof. Dr. Stefan Dötterl „Die Weibchen sterben im Sommer, nachdem sie ihre Eier in geeignete, mit ausreichend Nektar und Pollen ausgestattete und anschließend gut verschlossene und geschützte Nistplätze wie beispielsweise in Altholz, selbstgegrabenen Erdgängen oder holen Pflanzenstängel abgelegt haben. Die Brut ist sich während ihrer Entwicklung im Winter selber überlassen und schlüpft erst im Frühjahr als neue Generation Bienen. Es gibt aber auch Wildbienen, wie die Blauschwarze Holzbiene, die gemeinsam als Paar in oberirdischen Hohlräumen überwintern und sich erst im Frühjahr vermehren.“

Hummeln sind große, flauschige Wildbienen, leben aber ähnlich wie Honigbienen in Nestern. Im Frühjahr bilden die Königinnen Nester, aus denen über den Sommer ein Volk mit bis zu 100 Hummeln entsteht. Im Spätherbst stirbt ein Großteil des Volkes. „Bei den Hummeln überwintern nur befruchtete Jungköniginnen, die sich ihr Winterquartier selber aussuchen. Im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen, schwärmen sie aus und bilden ihr eigenes Volk.“, weiß Insektenkundler Prof. Dr. Johann Neumayer.

Wie die Woerle-Milchbauern den Wildbienen über den Winter helfen

„Wir haben die vergangen Jahre im Rahmen des Woerle-Projektes so viel neues über die Wildbienen dazugelernt. Wir schauen seitdem gerade zum Winter hin noch viel bewusster darauf, dass ausreichend Nistmöglichkeiten für Insekten vorhanden sind“, berichtet eine der teilnehmenden Milchbäuerinnen. „Bei uns bleiben beispielsweise extra die abgeschnittenen, verholzten Stängel der Pflanzen stehen. Und schaut mal wie viele Bienen sich in dem Totholzstamm eingenistet haben – wir sind mit Stolz g’schlampert“, lacht die Bäuerin.

Jeder kann die Wildbienen im Winter unterstützen

Nistplätze sind im Winter ein unerlässlicher Bestandteil des Lebensraumes für die Wildbienen. Fast die Hälfte aller Wildbienen nistet unter der Erde. Sandhaufen und Lehmflächen im Garten sind wertvoller Raum. Morsches Holz, trockene Pflanzenstängel, abgeschnittene Schilfhalme, sogar leere Schneckenhäuser bieten den Bienen geeignete Nistplätze für ihre Nachzucht.

Wer Wildbienen und anderen Insekten über den Winter helfen möchte kann beispielsweise im eigenen Garten:

  • ein größeres Stück unbehandeltes Altholz mit 3 – 9mm großen Bohrlöchern versehen und an einem regen- und windgeschützten Ort platzieren
  • abgestorbene Stängel von Holunder, Rose, Königskerzen, Brombeeren, Himbeeren, etc. über den Winter stehen lassen
  • „wilde Ecken“ im Garten anlegen, wo Altgras wuchern darf
  • Natursteine aufschichten
  • leere Schneckenhäuser liegenlassen