Mit Biene, Hummel & Co ins artenreiche Frühjahr

Das Frühjahr steht vor der Tür. Die Welt leuchtet, alles wird bunt. Wir freuen uns über die ersten Schneeglöckchen, Krokusse und Hyazinthen, die ihre Köpfchen aus der Erde recken. Doch noch größer ist die Freude bei den Frühstartern unter den Wildbienen und Schmetterlingen, die teilweise bereits ab Februar durch die milden Temperaturen ins Freie gelockt wurden. Im Frühjahr werden Pollen und Nektar nicht nur für den Nachwuchs, sondern auch dringend für den eigenen Energiehaushalt benötigt. Nach den Wintermonaten sind ihre Reserven aufgebraucht und der Hunger ist groß, sodass sie als erstes auf Nahrungssuche gehen. Die Frühblüher zählen daher zu den wichtigen Wildbienen-Pflanzen und dienen den hungrigen Wildbienen als Futterquellen.

Wiesen und Weiden sind ein wertvoller Lebensraum – nicht nur für die Heumilchkühe

Während die heimischen Gärten immer mehr Schotter und Kies in den schillerndsten Farben und Körnungen zeigen oder schon emsig die Vorbereitungen für eine möglichst makellose Rasenfläche im Sommer getroffen werden, liegen die Kriterien für perfekte landwirtschaftliche Wiesen in Österreichs größter Heumilchregion ganz woanders: Wenn die ersten Sonnenstrahlen den Schnee schmelzen und die Wiesen wieder grün werden lassen, findet man bis zu 50 verschiedene Arten an frischen Gräsern und Kräutern auf den Mager-, Trocken- und Feuchtwiesen, die die Woerle-Bauern bewirtschaften. Die kunterbunte Pflanzenwelt ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern bietet auch einen perfekten Lebensraum für zahlreiche Insekten und kleinere Tiere.

Frühjahrsgarten der Bäuerinnen – die perfekte Komposition aus Blumen, Kräutern, Obst und Gemüse

Mit der richtigen Auswahl an Frühblühern finden hungrige Bienen und Insekten vom Frühjahr bis zum Sommer Futter in den Gärten unserer Bäuerinnen. 

Übrigens: Hummeln sind die wahren Frühstarter unter den (Wild-)bienen und Insekten. In manchen Jahren sind sie bereits ab Februar bei Wind und Wetter unterwegs, wenn andere Bienen lieber noch im warmen Nest bleiben. Während viele Insekten erst ab 5 °C aus dem Winterschlaf erwachen und Honigbienen warten, bis das Thermometer über 10 °C steigt, starten Hummeln bereits bei Temperaturen um 2 bis 3 °C mit der Nahrungssuche. Dabei sind sie gründlich und sehr fleißig, im Vergleich zur Honigbiene fliegen sie täglich 3- bis 4-mal so viele Blüten an – selbst bei Schmuddelwetter. Hummeln tragen also durch ihre Bestäubungsleistung wesentlich zur Arten- und Sortenvielfalt bei und sind somit besonders wertvoll für die Erhaltung der Biodiversität.

Kornelkirsche

Frühjahrsarbeiten der Imker unter den Woerle-Milchbauern

In den Wintermonaten in regelmäßigen Abständen am Bienenstock, ob die Fluglöcher frei sind, damit die Bienen an schönen Tagen ungehindert ausfliegen können. Wenn die Temperaturen jedoch auf über 15 °C steigen wird es für die Imker Zeit den großen „Frühjahrscheck“ zu machen. Die Bienen sind schon wieder fleißig auf dem Weg zu den ersten frühblühenden Pflanzen, um deren Nektar und Pollen zu sammeln. Aber wie oft fliegen sie aus? Ist noch genügend Futter im Stock vorhanden, damit die Bienen neben dem noch spärlichen Futterangebot durch die Frühblüher draußen, auch wirklich ausreichend satt werden? Wie geht es der Brut? Ist der Stock sauber und aufgeräumt? – Wenn alles in Ordnung ist kann sich das Volk im Frühjahr rasch und gesund zu einem starken Volk entwickeln.

Hier stellen wir Euch einige unserer Milchbauern vor, die sich nicht nur 365 Tage liebevoll um ihre Honigbienen kümmern, sondern gleichzeitig durch ihre Wirtschaftsweise die gesamte Artenvielfalt stärken und den Lebensraum der Wildbienen und anderer Insekten erhalten:

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Josef Liebewein, Woerle-Milchbauer, Mondsee – „Wir haben schon seit Generationen Bienen. Ich bin stolz darauf, wenn ich meine Bienen gesund und munter über den Winter bringe, sie leisten so einen wichtigen Beitrag für unsere Natur.“

Matthias Ebner, Woerle-Milchbauer, Mondsee – „Wir haben seit 1948 Honigbienen am Hof. Es gibt fast keinen Tag, an dem ich nicht zu meinen Bienen schaue. Für mich ist es wichtig, dass die Honigbienen erhalten bleiben, weil sie einen großen Nutzen für uns Bauern haben.“

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Fam. Vizthum, Woerle-Milchbauern, Perwang – „Wir gehen oft nach der Stallarbeit zu den Bienen. Es ist so entspannend und gleichzeitig faszinierend anzuschauen was die Bienen alles leisten. Sie sind so fleißig und jede Biene im Volk hat ihre feste Aufgabe und weiß was sie zu tun hat.“

Elisabeth Stöllinger, Woerle-Milchbäuerin, Thalgau – „Für mich gehören Bienen und Landwirtschaft einfach zusammen. Ich würde mir wünschen, dass mehr auf die Bienen geachtet wird und wieder mehr Blütenpflanzen stehen bleiben, damit sie ausreichend Nahrung finden.

Fotos: Diana Reuter, Konrad Steiner, Petra Wimmer

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