Woerle's
Geschichte

Woerle’s Geschichte

Die Tradition der Feinkäserei Woerle geht auf Johann Baptist Woerle, einen visionären Käsemacher, zurück, der um 1870 herum auszog, um ideale Bedingungen für die Produktion von Emmentaler zu finden. Ausgehend von der Idee des Reinheitsgebots anno 1889 nehmen 130 Jahre Käsekultur aus Meisterhand ihren Lauf: Johann Baptist Woerle errichtet im Flachgau die erste Emmentalerkäserei. Die Voraussetzung für besten Käse ist beste Milch. Und die entsteht erst dann, wenn die Kühe bestes Futter bekommen. Seit damals ist es unser Bestreben, die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu bewahren und die Heumilch als ursprünglichste Form der Milchverarbeitung zu erhalten.

Geschichte der Gebrüder Woerle

Vom Ursprung der Käserei WOERLE

Ein Blick zurück in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts: Im deutschen Allgäu hat man gerade die Milchwirtschaft entdeckt und damit auch die Kunst des Käsens. Johann Baptist Woerle, ein gebürtiger Allgäuer, ist ein Käsemeister der ersten Stunde und meldet bereits im Jahr 1874 in Rosenheim (D) einen gewerblichen Käsehandel an. Doch die Vertriebsmöglichkeiten sind beschränkt. Also fasst Johann Baptist Woerle den Entschluss weiterzuziehen, in eine Gegend, wo er sich in Ruhe seiner großen Leidenschaft widmen kann – dem Käsen. Mit seiner Frau Marie zieht er vom Allgäu in den Salzburger Flachgau, damals Gebiet der K.u.K. Donaumonarchie. Hier ist die Landschaft ähnlich der des Allgäu mit saftigen Wiesen und Almen – eine ideale Voraussetzung für Milchviehhaltung und Käseerzeugung.

1889

Firmengründer Johann Baptist Woerle legt den Grundstein zur ersten Emmentaler Käserei im Lande Salzburg und somit zur ersten namentlich erwähnten Emmentaler Käserei Österreichs. Wie sehr sein Vorhaben von Erfolg gekrönt ist, beweist die Tatsache, dass er schon wenig später erfahrene Käsemeister aus der Schweiz, dem Allgäu und Tirol bei sich einstellen kann, um neben dem beliebten Emmentaler weitere Käsespezialitäten für seine zahlreichen Kunden zu käsen. Bereits vor über 100 Jahren wusste Johann Baptist Woerle, was den besten Käse ausmacht: Wertvolle natürliche Heumilch! Darum hat er anno 1889 das Woerle Reinheitsgebot erlassen, das seither behutsam von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Geschichte von Woerle
Geschichte von Woerle

„Der Natur verbunden. Der Reinheit verpflichtet. Aus Liebe zum Käse“

1902

Johann Baptist Woerle übergibt das Unternehmen und das Wissen um die Kunst der Käsezubereitung an seine beiden Söhne, Johann und Josef Woerle. „Gebrüder Woerle“ so nennt sich der Familienbetrieb im Vorgarten der Stadt Salzburg und aus der kleinen Käserei wird ein stolz wachsendes Unternehmen.

Neben der immer bedeutender werdenden Käseproduktion betreiben die Gebrüder Woerle zu dieser Zeit auch schon einen regen Handel. So beliefern sie Kunden in Rom, Mailand, Budapest, Pressburg, Prag und vielen weiteren Städten in Europa mit Woerle Käsespezialitäten – gekäst nach hauseigener Woerle Rezeptur und natürlich streng nach dem „Woerle Reinheitsgebot anno 1889“.

1925

Ein wichtiger Meilenstein für den Aufschwung der Traditionskäserei ist der Erwerb des ehemaligen Brauhauses des „Caspar Moser Bräu“ in Henndorf am Wallersee. Endlich kann der Platzbedarf gedeckt werden. Herzstück des Gebäudes ist der viergeschossige Keller, der die klimatischen Bedingungen bietet, um den feinen Woerle Emmentaler zum absoluten Hochgenuss reifen zu lassen.

1929

Nicht nur die Kunst des traditionellen Käsehandwerks, sondern vor allem Pioniergeist und der Mut zu Innovationen beschleunigt den Aufstieg des Familienbetriebs. Auf einer seiner vielen Reisen entdeckt Johann Woerle in der Schweiz den Schmelzkäse, das „Käsefondue zum Mitnehmen“. Vertrauend auf die in Österreich bis dahin weitgehend unbekannte Technologie wird ein Käseschmelzwerk eingerichtet und damit die Weichen für weitere Exportchancen gelegt.

1955

Hans und Martin Woerle übernehmen das Familienunternehmen und setzen mit Engagement und Elan den Aufschwung fort. Die Emmentaler Käserei in Henndorf wird modernisiert und das Schmelzwerk nach Seekirchen verlegt.

1981

Gerhard Woerle setzt die Expansionspläne weiter um und gründet aufgrund beachtlicher Zuwachsraten eine eigene Exportgesellschaft. Die Marke „Happy Cow“ wurde geboren und in kurzer Zeit ein Begriff auf dem Überseemarkt.
Das Familienunternehmen Woerle beschäftigt nun bereits 100 Mitarbeiter. Aufgrund der starken Weiterentwicklung von Woerle wird in Henndorf ein modernst ausgestatteter Produktions- und Verwaltungskomplex errichtet. Somit ist Woerle bestens für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet.

2001

Pachtübernahme der Mondsee Landkäserei in Oberhofen. Die Produktion der Schnittkäsespezialitäten wird in den neuen Standort verlegt und die reichhaltige Woerle Palette noch um weitere Sorten erweitert.

2018

Beginn der Betriebserweiterung am Standort Henndorf mit der Errichtung eines Hochregallagers und des Ausbaus der bestehenden Produktionsmöglichkeiten.

2020

Baubeginn der Käserei neu mit einer geplanten Fertigstellung 2021, damit sind alle Produktions- und Lagerstätten in Henndorf vereint. Mit der Inbetriebnahme dieses Bauabschnitts werden wir unser Generationenprojekt abschließen und die Grundlage geschaffen haben, um die Zukunft erfolgreich gestalten zu können.

WOERLE heute

Der Erfolg geht weiter: Heute präsentiert sich das Traditionsunternehmen Woerle als eine der größten und modernsten Privatkäsereien Österreichs mit internationaler Ausrichtung. Woerle’s Käsespezialitäten zählen nicht nur im Inland zu den beliebtesten, sondern erfreuen sich in mittlerweile über 70 Ländern der Erde steigender Beliebtheit.

Geschichte von Woerle

Käse Erzeugung einst und jetzt

Käse gehört zu unserem Alltag wie kaum ein anderes Lebensmittel. Doch war das immer schon so? Seit wann gibt es Käse? Und wer hat ihn erfunden?

Käse Erzeugung einst und heute

Käse gab es bereits in der frühen Steinzeit. Als die Menschen sesshaft wurden, hielten sie Rinder, Ziegen und Schafe und begannen sie zu melken. Verschiedene Legenden, die alle den Zufall als Ausgangspunkt haben, beschreiben, wie die Milch durch Sonneneinwirkung oder durch Kontakt mit dem offenen Feuer sauer und somit zu Käse wurde. Eine These geht davon aus, dass Jäger im Magen eines getöteten Kalbes eine weiße Masse entdeckten. Als sie davon probierten, schmeckte sie ihnen gut. Höchstwahrscheinlich hatte das Kalb kurz vor seinem Tod Muttermilch getrunken, die anschließend durch das Lab im Magen des Kalbes fermentierte. Der erste archäologische Nachweis der Käseherstellung stammt aus der Jungsteinzeit um 5.500 v. Chr. Ausgerechnet in Polen, einem Land, das man nicht sofort mit Käse in Verbindung bringt, fand man Reste von Seihern aus Ton. Als man sie untersuchte, zeigten sich Spuren von Milchfettsäuren an den Löchern. Es musste sich um Käseseiher handeln, welche die Molke von der Milch trennten.

Sauermilchkäse als Geschenk

Eine andere These entführt uns nach Mesopotamien, in die Gegend des heutigen Irak. Bei Opferzeremonien ca. 3.000 Jahre vor Christi Geburt versuchten Priester die Götter mit frischer Milch zu besänftigen. Wegen der Milchsäurebakterien entwickelte sie sich nach einigen Tagen zu Sauermilchkäse. Wieder eine andere Legende erzählt von Hirten, die ihre Milch in getrockneten Schafsmägen aufbewahrten. Das noch im Magen vorhandene Lab verwandelte die Milch in Käse.

Käse Erzeugung einst und heute
Käse Erzeugung einst und heute
Bild oben: ein Käsesieb aus der Bronzezeit (Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Käse für die Griechen und Römer

Welche Theorie am Ende „fabelhaft“ ist und welche stimmt, ist nicht geklärt. Sicher ist, dass bereits im antiken Griechenland und im Römischen Reich verschiedene Milchprodukte bekannt waren. Der antike Dichter Homer spricht in seiner „Odyssee“ von Käse und schreibt ihm magische Kräfte zu. Für die Griechen war er eine Delikatesse und heiß begehrte Handelsware. Der berühmte Arzt Hippokrates verschrieb Käse als Heilmittel. Aristoteles schrieb die erste fachliche Abhandlung über Milchverarbeitung. Die Römer nahmen lange haltbaren Hartkäse auf ihren europaweiten Feldzügen als Proviant mit. Den ältesten Käse der Welt fand man übrigens 2018 bei Ausgrabungen in einem 3.200 Jahre alten Grab in Ägypten. Die weißliche verhärtete Masse stellte sich als Hartkäse heraus.

Käseherstellung im Mittelalter

Später im Mittelalter übernahmen hauptsächlich die Klöster die Herstellung von Käse. Seit dieser Zeit wissen wir Näheres über die historische Käseherstellung. Durch die Niederschriften der Mönche können wir zurückverfolgen, wie lange es Gouda und Edamer und Emmentaler schon gibt. Auch die Sortenauswahl war schon damals beeindruckend. Im späten Mittelalter entstanden immer mehr Städte und damit wuchs der Käsehandel. Im 19. Jahrhundert verbesserten wissenschaftliche und technische Entdeckungen die Käseherstellung. So erforschte beispielsweise Louis Pasteur die Rolle von Mikroorganismen bei der Käsereifung.

Käse Erzeugung einst und heute

Käseherstellung in der heutigen Zeit

Damals wie heute ist Käse ein natürliches Produkt. Heutzutage erfolgt die Käseherstellung in mehreren Schritten. Zunächst wird die Milch erhitzt. Im nächsten Schritt erfolgt die Milchgerinnung mit Hilfe von Milchsäurebakterien und Lab. Als nächstes erfolgt das Dicklegen, je nach Käseart dauert dies zwischen einer halben Stunde und mehreren Stunden. Mit der Käseharfe kommt es zum Käsebruch. Je feiner der Käsebruch zerkleinert wird, desto mehr Molke setzt sich ab und umso härter wird der fertige Käse. Nun wird der Käse in Formen abgefüllt, gepresst und gewendet. Anschließend darf der Käse in Salzlake baden, wodurch sich die Rinde bildet. Im letzten Schritt darf der Käse reifen. Die Laibe oder Blöcke werden regelmäßig gewendet und je nach Sorte gebürstet, gewaschen oder mit Edelschimmel behandelt. Am Ende dieses Prozesses hat der Käse seinen Charakter entwickelt. Das Ergebnis ist eine Vielfalt an leckeren Käsesorten.

Heumilch für mehr Kuhwohl

Unsere Kühe fühlen sich pudel .. äh .. kuhwohl!

Wohlfühlen bedeutet, sich gut fühlen, genießen, auskosten. Bei der Kuhwohlinitiative geht es um das Wohlgefühl der Kühe. Was dieses Kuhwohl mit Heumilch zu tun hat? Viel!

Wenn es uns richtig gut geht, sprechen wir von „wohl“ fühlen. Und auch Tiere möchten sich wohlfühlen. Deshalb hat die Arge Heumilch vor zwei Jahren die Kuhwohl-Initiative gestartet. Sechs Prinzipien und Maßnahmen sorgen dafür, dass es den Tieren besser geht als in der konventionellen Massentierhaltung.

Mmmmh, das schmeckt! Artgemäße Fütterung

Wusstet ihr, dass Kühe bis zu acht Kilometer weit riechen können? Kein Wunder, dass sie für die schmackhaftesten Kräuter und Gräser auf der Alm weite Strecken zurücklegen. Im Winter gibt es Heu und sonst nichts, außer etwas mineralstoffreichen Getreideschrot. Und der muss aus Europa stammen und kontrolliert gentechnikfrei sein. Tabu sind vergorene Futtermittel (Silage usw.).

Woerle Kuhwohl
Woerle Kuhwohl

Mehr Freiheit! Auslauf für Heumilchkühe

Heute Weide, morgen Alm: Viel frische Luft und Sonne sind sehr wichtig für die Gesundheit von Kühen. Daher halten wir unsere Heumilchkühe im Laufstall, wo sie nicht dauerhaft angehängt sind, oder ermöglichen ihnen mindestens 120 Tage Auslauf übers Jahr.

Frisches und klares Wasser fürs Wohlbefinden

Wusstet ihr, dass Kühe bis zu 120 Liter Wasser pro Tag brauchen, damit sie sich wohlfühlen? Kein Wunder, denn das ständige Wiederkäuen ist anstrengend. Wasser muss daher immer gut erreichbar sein und in ausreichendem Maß verfügbar sein.

Woerle Kuhwohl
Woerle Kuhwohl

Auf Du und Du mit der Kuh! Persönliche Betreuung

Der Heumilchbauer kennt alle seine Kühe beim Namen und weiß ihre Vorlieben. Das ist möglich, weil er durchschnittlich nur etwa 25 Kühe hat. Morgens, wenn er zum Melken kommt, begrüßt er sie. Er richtet ihnen einen gemütlichen Liegeplatz ein, denn wusstet ihr, dass Kühe ca. 12 bis 14 Stunden am Tag ruhen? Bestimmt träumen sie von frischen Gräsern und erfrischenden Bächen. 😉

Vorsorge ist gut, Kontrolle ist besser: Tiergesundheit

Die Gesundheit unserer Heumilchkühe liegt uns sehr am Herzen. Deshalb sind alle Heumilchbauern Mitglied beim Tiergesundheitsdienst – ein Verein zur Sicherung und Verbesserung der gesundheitlichen, hygienischen und damit auch wirtschaftlichen Bedingungen bei der Nutztierhaltung. Regelmäßig kommt der Tierarzt vorbei und prüft, ob es den Kühen gutgeht.

Woerle Kuhwohl

Mehr dazu unter heumilch.com

Mit Biene, Hummel & Co ins artenreiche Frühjahr

Das Frühjahr steht vor der Tür. Die Welt leuchtet, alles wird bunt. Wir freuen uns über die ersten Schneeglöckchen, Krokusse und Hyazinthen, die ihre Köpfchen aus der Erde recken. Doch noch größer ist die Freude bei den Frühstartern unter den Wildbienen und Schmetterlingen, die teilweise bereits ab Februar durch die milden Temperaturen ins Freie gelockt wurden. Im Frühjahr werden Pollen und Nektar nicht nur für den Nachwuchs, sondern auch dringend für den eigenen Energiehaushalt benötigt. Nach den Wintermonaten sind ihre Reserven aufgebraucht und der Hunger ist groß, sodass sie als erstes auf Nahrungssuche gehen. Die Frühblüher zählen daher zu den wichtigen Wildbienen-Pflanzen und dienen den hungrigen Wildbienen als Futterquellen.

Wiesen und Weiden sind ein wertvoller Lebensraum – nicht nur für die Heumilchkühe

Während die heimischen Gärten immer mehr Schotter und Kies in den schillerndsten Farben und Körnungen zeigen oder schon emsig die Vorbereitungen für eine möglichst makellose Rasenfläche im Sommer getroffen werden, liegen die Kriterien für perfekte landwirtschaftliche Wiesen in Österreichs größter Heumilchregion ganz woanders: Wenn die ersten Sonnenstrahlen den Schnee schmelzen und die Wiesen wieder grün werden lassen, findet man bis zu 50 verschiedene Arten an frischen Gräsern und Kräutern auf den Mager-, Trocken- und Feuchtwiesen, die die Woerle-Bauern bewirtschaften. Die kunterbunte Pflanzenwelt ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern bietet auch einen perfekten Lebensraum für zahlreiche Insekten und kleinere Tiere.

Frühjahrsgarten der Bäuerinnen – die perfekte Komposition aus Blumen, Kräutern, Obst und Gemüse

Mit der richtigen Auswahl an Frühblühern finden hungrige Bienen und Insekten vom Frühjahr bis zum Sommer Futter in den Gärten unserer Bäuerinnen. 

Übrigens: Hummeln sind die wahren Frühstarter unter den (Wild-)bienen und Insekten. In manchen Jahren sind sie bereits ab Februar bei Wind und Wetter unterwegs, wenn andere Bienen lieber noch im warmen Nest bleiben. Während viele Insekten erst ab 5 °C aus dem Winterschlaf erwachen und Honigbienen warten, bis das Thermometer über 10 °C steigt, starten Hummeln bereits bei Temperaturen um 2 bis 3 °C mit der Nahrungssuche. Dabei sind sie gründlich und sehr fleißig, im Vergleich zur Honigbiene fliegen sie täglich 3- bis 4-mal so viele Blüten an – selbst bei Schmuddelwetter. Hummeln tragen also durch ihre Bestäubungsleistung wesentlich zur Arten- und Sortenvielfalt bei und sind somit besonders wertvoll für die Erhaltung der Biodiversität.

Kornelkirsche

Frühjahrsarbeiten der Imker unter den Woerle-Milchbauern

In den Wintermonaten in regelmäßigen Abständen am Bienenstock, ob die Fluglöcher frei sind, damit die Bienen an schönen Tagen ungehindert ausfliegen können. Wenn die Temperaturen jedoch auf über 15 °C steigen wird es für die Imker Zeit den großen „Frühjahrscheck“ zu machen. Die Bienen sind schon wieder fleißig auf dem Weg zu den ersten frühblühenden Pflanzen, um deren Nektar und Pollen zu sammeln. Aber wie oft fliegen sie aus? Ist noch genügend Futter im Stock vorhanden, damit die Bienen neben dem noch spärlichen Futterangebot durch die Frühblüher draußen, auch wirklich ausreichend satt werden? Wie geht es der Brut? Ist der Stock sauber und aufgeräumt? – Wenn alles in Ordnung ist kann sich das Volk im Frühjahr rasch und gesund zu einem starken Volk entwickeln.

Hier stellen wir Euch einige unserer Milchbauern vor, die sich nicht nur 365 Tage liebevoll um ihre Honigbienen kümmern, sondern gleichzeitig durch ihre Wirtschaftsweise die gesamte Artenvielfalt stärken und den Lebensraum der Wildbienen und anderer Insekten erhalten:

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Josef Liebewein, Woerle-Milchbauer, Mondsee – „Wir haben schon seit Generationen Bienen. Ich bin stolz darauf, wenn ich meine Bienen gesund und munter über den Winter bringe, sie leisten so einen wichtigen Beitrag für unsere Natur.“

Matthias Ebner, Woerle-Milchbauer, Mondsee – „Wir haben seit 1948 Honigbienen am Hof. Es gibt fast keinen Tag, an dem ich nicht zu meinen Bienen schaue. Für mich ist es wichtig, dass die Honigbienen erhalten bleiben, weil sie einen großen Nutzen für uns Bauern haben.“

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Fam. Vizthum, Woerle-Milchbauern, Perwang – „Wir gehen oft nach der Stallarbeit zu den Bienen. Es ist so entspannend und gleichzeitig faszinierend anzuschauen was die Bienen alles leisten. Sie sind so fleißig und jede Biene im Volk hat ihre feste Aufgabe und weiß was sie zu tun hat.“

Elisabeth Stöllinger, Woerle-Milchbäuerin, Thalgau – „Für mich gehören Bienen und Landwirtschaft einfach zusammen. Ich würde mir wünschen, dass mehr auf die Bienen geachtet wird und wieder mehr Blütenpflanzen stehen bleiben, damit sie ausreichend Nahrung finden.

Fotos: Diana Reuter, Konrad Steiner, Petra Wimmer

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Heublütenfreie Zeiten –
So überwintern die Wildbienen

Wenn es draußen frostig kalt ist und der Schnee fällt, wärmen wir Menschen uns gerne im trauten Heim und genießen die Gemütlichkeit. Die Milchkühe sind in den kalten Monaten gut durch ihr Winterfell geschützt und werden von den Woerle-Bauern liebevoll umsorgt. Der Imker hat die Honigbiene rechtzeitig auf den Winter vorbereitet und sie kuschelt schon lange dicht an dicht zusammen mit ihrem Volk sicher und mollig warm im Stock.  Aber was machen die Wildbienen während der monatelangen Kälte?

Heublütenfreie Zeiten – So überwintern die Wildbienen

Wildbienen und Hummeln – Einzelgänger

„Im Gegensatz zu Honigbienen leben die meisten Wildbienenarten als Einzelgänger und bilden meist keine oder wenn nur einjährige Völker. Die Wildbiene lebt in der Regel ca. 4 – 8 Wochen und erlebt den Winter meist gar nicht.“ erklärt Ökologe Prof. Dr. Stefan Dötterl „Die Weibchen sterben im Sommer, nachdem sie ihre Eier in geeignete, mit ausreichend Nektar und Pollen ausgestattete und anschließend gut verschlossene und geschützte Nistplätze wie beispielsweise in Altholz, selbstgegrabenen Erdgängen oder holen Pflanzenstängel abgelegt haben. Die Brut ist sich während ihrer Entwicklung im Winter selber überlassen und schlüpft erst im Frühjahr als neue Generation Bienen. Es gibt aber auch Wildbienen, wie die Blauschwarze Holzbiene, die gemeinsam als Paar in oberirdischen Hohlräumen überwintern und sich erst im Frühjahr vermehren.“

Hummeln sind große, flauschige Wildbienen, leben aber ähnlich wie Honigbienen in Nestern. Im Frühjahr bilden die Königinnen Nester, aus denen über den Sommer ein Volk mit bis zu 100 Hummeln entsteht. Im Spätherbst stirbt ein Großteil des Volkes. „Bei den Hummeln überwintern nur befruchtete Jungköniginnen, die sich ihr Winterquartier selber aussuchen. Im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen, schwärmen sie aus und bilden ihr eigenes Volk.“, weiß Insektenkundler Prof. Dr. Johann Neumayer.

Wie die Woerle-Milchbauern den Wildbienen über den Winter helfen

„Wir haben die vergangen Jahre im Rahmen des Woerle-Projektes so viel neues über die Wildbienen dazugelernt. Wir schauen seitdem gerade zum Winter hin noch viel bewusster darauf, dass ausreichend Nistmöglichkeiten für Insekten vorhanden sind“, berichtet eine der teilnehmenden Milchbäuerinnen. „Bei uns bleiben beispielsweise extra die abgeschnittenen, verholzten Stängel der Pflanzen stehen. Und schaut mal wie viele Bienen sich in dem Totholzstamm eingenistet haben – wir sind mit Stolz g’schlampert“, lacht die Bäuerin.

Jeder kann die Wildbienen im Winter unterstützen

Nistplätze sind im Winter ein unerlässlicher Bestandteil des Lebensraumes für die Wildbienen. Fast die Hälfte aller Wildbienen nistet unter der Erde. Sandhaufen und Lehmflächen im Garten sind wertvoller Raum. Morsches Holz, trockene Pflanzenstängel, abgeschnittene Schilfhalme, sogar leere Schneckenhäuser bieten den Bienen geeignete Nistplätze für ihre Nachzucht.

Wer Wildbienen und anderen Insekten über den Winter helfen möchte kann beispielsweise im eigenen Garten:

  • ein größeres Stück unbehandeltes Altholz mit 3 – 9mm großen Bohrlöchern versehen und an einem regen- und windgeschützten Ort platzieren
  • abgestorbene Stängel von Holunder, Rose, Königskerzen, Brombeeren, Himbeeren, etc. über den Winter stehen lassen
  • „wilde Ecken“ im Garten anlegen, wo Altgras wuchern darf
  • Natursteine aufschichten
  • leere Schneckenhäuser liegenlassen

Wo sind sie hin -
halten Insekten Winterschlaf?

Wo sind sie hin - halten Insekten Winterschlaf?

Wo sind Schmetterlinge, Marienkäfer, Libellen und Heuschrecken im Winter?

Die Tage werden kürzer, draußen ist es frostig kalt und ungemütlich. Der fleißige Gartenbesitzer hat schon längst im Herbst angefangen, seinen Garten winterfest zu machen. Hecken werden geschnitten, Sträucher ausgelichtet und vertrocknete Pflanzenstängel abgeschnitten, Totholz geschreddert, Fallobst aufgesammelt, der Rasen ein letztes Mal geschnitten und das Laub weggekehrt. Der zufriedene Gärtner freut sich, wie sauber doch alles ausschaut, während er sich vielleicht wundert wo denn all die Insekten hin sind, die gerade noch über seine Wiesen geflogen oder im Laubhaufen gekrabbelt sind. Im Winter scheinen sie wie vom Erdboden verschluckt. Man sieht und hört nichts von ihnen. Aber wo sind sie hin? Und sind sie rechtzeitig zur Blütezeit wieder da?

Insekten im Winter

Während die Insekten in der Sommerzeit mit vollem Einsatz Nektar und Blütenstaub sammeln und so zur Vermehrung der Pflanzen beitragen, durch die Verdauung von Pflanzenresten die Bodengesundheit fördern oder als Nahrung für andere Insekten dienen und dadurch das Verhältnis der unterschiedlichen Arten regulieren, schaut es in frostigeren Zeiten ganz anders aus. Im Winter sind sie gezwungen, sich geeignete Winterquartiere zu suchen, um die monatelange Kälte auszuhalten und sich oder ihre Brut vor Feinden zu schützen. Dabei ist die Auswahl der Plätze, die sie aufsuchen, bereits vererbt in ihren Genen festgelegt.

Sie sind im Winter also nicht etwa ausgestorben, sondern schlummern um uns herum und gönnen sich eine ausgedehnte Auszeit, bevor der „Stress“ im Frühjahr wieder los geht. Die Devise hierbei heißt: rechtzeitiger Rückzug. Die Insekten brauchen jetzt gut geschützte Plätze wie beispielsweise abgestorbene Pflanzenreste, herabgefallene Blätterhaufen, die Möglichkeit, sich in das Holz der Bäume einbohren oder im Boden eingraben zu können. Jede Insektenart hat ihre eigene „angeborene“ Überwinterungsstrategie, um in frostiger Umgebung zu überleben: sie überwintern gut inaktiv als Ei, Larve oder Puppe, sie stellen Ihren Stoffwechsel um, schotten sich mit selbstgemachten Isolierwänden ab oder imprägnieren ihren Körper gegen die Kälte. Manche Arten produzieren sogar ihr eigenes „Frostschutzmittel“ als Schutz vor dem Erfrieren, während sie in der Kältestarre verharren.

Heublumenwiese – ein Paradies der Vielfalt?

Die nachhaltige Heubewirtschaftung trägt als ursprünglichste Form der Landwirtschaft seit eh und je entscheidend zur Förderung der Artenvielfalt und zum Schutz der Umwelt bei. Die heimischen Lebensräume werden durch die Arbeit der Bauern gepflegt und wertvolle Ressourcen geschont. Durch das Grasen der Kühe auf den Wiesen, Weiden und Almen bekommen die Pflanzen Wachstumsimpulse und somit ist keine permanente Nachsaat notwendig. Auf den Wiesen wachsen bis zu 1.000 verschieden Gräser und Kräuter. Diese hohe Pflanzenvielfalt auf den bewirtschafteten Heuwiesen sorgt dafür, dass weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel erforderlich sind als auf intensiv genutzten Flächen. Alles hat seine Zeit – um die Artenvielfalt auf den Heublumenwiesen zu erhalten und darüber hinaus zu fördern, dürfen die Wiesen länger reifen und werden erst gemäht, wenn die vielen Gräser und Kräuter in voller Blüte stehen und die Artenvielfalt am größten ist. So haben Tiere und Insekten Platz zum Verstecken und finden immer etwas zu fressen. Die Woerle-Milchbauern nehmen dabei in Kauf, dass sie um ein bis zwei Wiesenschnitte pro Sommer weniger haben.

Je größer die Artenvielfalt, desto stabiler ist das Ökosystem und desto besser kann es auf Veränderungen wie den Klimawandel reagieren. Und davon profitiert auch der Mensch mit einer hohen Lebensqualität und dem natürlichen Genuss von bester Qualität und bestem Geschmack des (Heumilch-)Käses.

 

Wo sind sie hin - halten Insekten Winterschlaf?

 

 

Artenschutz in Bauernhand – Wie helfen die Woerle-Milchbauern den Insekten denn im Winter?

Im Rahmen von „Artenschutz in Bauernhand“ möchten die Woerle-Milchbauern aufzeigen, dass Artenschutz und Landwirtschaft keine Gegensätze, sondern alleine durch das von jeher nachhaltige auf Generationen aufgebaute Denken und Handeln untrennbar miteinander verbunden sind. Oftmals fehlt uns einfach nur das Bewusstsein für die vielfältigen Leistungen in der Landwirtschaft oder auch das genauere Hinschauen, d‘rüber Reden und Wahrnehmen. Allein mit liegengelassenen Holz- oder Laubhaufen, alten Obstbäumen, Blühstreifen, selten gemähten Böschungen und trockenen G‘stetten schafft man neue, wichtige Lebensräume, Kinderstube und Rückzugsorte für viele wertvolle Insekten- und Pflanzenarten. So kann die bestehende Artenvielfalt mit einfachsten Maßnahmen weiter gefördert werden.  Die Woerle-Milchbauern möchten im Laufe der nächsten Jahre in verschiedenen Projekten ihr Wissen mit einbringen, sich gemeinsam weiterentwickeln und durch Information andere dazu animieren, die Tier- und Pflanzenvielfalt zu fördern.

Wir sind stolz darauf was wir bereits von Beginn an TUN und zukünftig gemeinsam neu (er-) schaffen und freuen uns über jeden Einzelnen, den wir zum Mitmachen motivieren.

 

Vielfalt am Betrieb

Woerle-Milchbauern engagieren sich bewusst für mehr Artenvielfalt

Liegengelassene Holzhaufen, alte Obstbäume, Blühstreifen oder selten gemähte Böschungen – rund um den landwirtschaftlichen Betrieb gibt es eine unheimlich große, oft nicht bewusst wahrgenommene und dennoch wertvolle Vielfalt an Leben!

Die Woerle-Milchbauern sind von Haus aus naturverbunden, wirtschaften seit eh und je im Kreislauf mit und für die Natur. Neben den saftigen Wiesen gibt es auf jedem Bauernhof ertragsarme bzw. oft als „schlampert“ angesehene Strukturen, wie vergessene Winkel mit wucherndem Altgras oder vertrockneten Brombeerstauden und Brennnesseln, selten gemähte und scheinbar ungepflegte Böschungen, Raine oder Lesesteinhaufen. Diese häufig zu wenig beachteten Flächen sind Lebensraum, Kinderstube und Rückzugsort für wertvolle Pflanzenarten, Wildbienen, Laufkäfer, Schmetterlinge, Zauneidechsen und Nützlinge aller Arten – also ein Paradies der Vielfalt.

Um die Besonderheiten und Naturschätze rund um den Bauernhof selbst zu entdecken hat das Österreichische Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung (ÖKL) das Projekt „Vielfalt auf meinem Betrieb“ ins Leben gerufen. Es geht ums genaue Hinschauen, d’rüber Reden und Wahrnehmen der eigenen Biodiversität. Die Landwirtschaft leistet einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Natur, welcher durch das Projekt wieder mehr ins Bewusstsein der BewirtschafterInnen und der Öffentlichkeit gerückt werden und dadurch den Zusammenhang zwischen Bewirtschaftung und Biodiversität verständlich machen soll.

Speziell geschulte Bäuerinnen und Bauern erstellten bei einer freiwilligen Betriebsbesichtigung gemeinsam mit den Bauern ein individuelles Biodiversitäts-Portfolio von ihren Höfen. Der vorhandene Artenreichtum wird so bewusst gemacht und kann oft mit einfachsten Maßnahmen gefördert werden. So gibt es beispielsweise Laufkäferarten, die Engerlinge und Schnecken fressen. Welcher Bauer möchte nicht gerne mehr solcher Gäste auf seinen Wiesen haben? – Die Woerle-Milchbauern dürfen und sollen stolz sein auf ihre Biodiversität.

Wir bedanken uns bei den landwirtschaftlichen Betrieben

Nur wenige Monate nach dem Start dieser Initiative dürfen wir uns heute bereits bei 20 unserer Milchbauern für ihre Bemühungen um den Artenreichtum bedanken und wollten dies mit einer persönlichen Anerkennung honorieren. Die 20 teilnehmenden Betriebe sind der Ruappenbauer in Straßwalchen, Hagenwaldmühle in Neumarkt, Scheitzenberg in Hallwang, Stummer, Mühlbauer und Lettner-Hingern in Zell am Moos, Tauchnerhof in Mattsee, Auer in Innerschwand am Mondsee, Brenner, Grasmann und Unterkapell in Seekirchen, Riedlbauer, Joglbauer und Stiedlbauer in Henndorf, Tumpingerbauer in Mondsee, Winkler und Mackl in Friedburg, Hauss in Palting, Vorderfreiling in Eugendorf sowie Glückerbauer in Köstendorf. Dabei erhielt jeder teilnehmende Betrieb eine große Alu-Hoftafel, wo die individuellen Maßnahmen anschaulich bebildert dargestellt werden.

Schauts her, so schaut die Vielfalt bei den Woerle-Milchbauern aus:

Braumann-(12)
Seiler-(6)
Huber-(10)
Seiler-(12)

Heumilchbauern erzählen...

Margot und Otto Gastberger vulgo Auswöger

Margot Gastberger und ihr Sohn Otto sind Heumilchbauern aus Leidenschaft. Otto liebt den Geruch des Heus und erinnert sich gerne daran zurück, wie er als Kind ins Heu gehüpft ist.  

Er möchte die ursprünglichste Art der Bewirtschaftung weiterführen, damit auch kommende Generationen sie kennenlernen dürfen. Mehr dazu im Video.

Vom Grasbüschel zum lebenden Paradies

Warum sogar Kuhfladen wichtig für die Artenvielfalt sind

Die Kühe der Woerle-Milchbauern sind Meister der naturnahen Landschaftspflege. Wenn sie beispielsweise an Gehölzen beißen oder sich daran scheuern, entsteht Totholz und beim Spazieren auf der Wiese entstehen Bodenvertiefungen. Genau an solchen Stellen leben Wildbienen, Laufkäfer oder auch Pflanzen. Allein durch das Grasen auf Weiden und Almen bekommen Pflanzen Wachstumsimpulse. Ohne Nachsaat entstehen so saftige, artenreiche Wiesen mit bis zu 1.000 verschiedenen Pflanzenarten. Eine hohe Pflanzenvielfalt bedeutet nährstoffreiches Futter und gesunde Kühe. Die Heumilchkühe bekommen im Sommer eine Vielzahl an saftigen Gräsern und frischen Kräutern, von denen sie einen Teil verwerten und den Rest als Kuhfladen auf den Boden plumpsen lassen.

Artenreiche Wohngemeinschaft

Was für den einen vielleicht bei spätsommerlichen Wanderungen eklig und störend ist, ist für den anderen wichtiger Lebensraum. Ein frischer Kuhfladen wiegt bis zu 2 kg und eine Kuh produziert 8 bis 10 Fladen pro Tag. Insekten lieben diese Kuhfladen. Mehr als 1.000 Insekten können sich von einem Kuhfladen ernähren – hochgerechnet versorgt eine Heumilchkuh so zwei Millionen Fliegen und Käfer pro Jahr. Sogar Schmetterlinge schlecken vorhandene, auskristallisierte Salze aus den Fladen. Die auf Kuhfladen spezialisierten Insekten oder deren Larven sind wiederum Nahrungsgrundlagen für unzählige Vogelarten. Viele Insekten und Käfer nutzen die Haufen als Brutstätte für ihre Eier oder graben in der Erde darunter, sichere und warme Kinderstuben für ihre Larven und lockern den Boden dabei auf. In den Kuhfladen stecken noch wichtige Restnährstoffe und Samen von Pflanzen, die durch die grabenden Insekten in den Boden gelangen und so die Bodenfruchtbarkeit steigern und neue Pflanzen wachsen lassen.

Nichts ist für ewig – aber alles beginnt wieder von vorne

Kaum ist der Kuhfladen am Boden abgelegt, beginnt auch schon der unausweichliche Alterungs- und Zerkrümelungssprozess. In dem trocknenden Fladen entwickeln sich viele Arten von Pilzen, Hefen und Bakterien, zu denen sich Insekten, wie Tausendfüßler oder Regenwürmer gesellen, die die Zersetzung des Fladens beschleunigen und dieser allmählich als Dünger in den Boden gelangt. Durch die natürliche Düngung des Fladens wächst rundherum meist üppig das Gras, es entstehen unterschiedlichste Grasnarbenhöhen, sogenannte „Geilstellen“, welche Heimat und Schutz für viele verschiedene Schmetterlinge, Käfer oder Wanzen bieten. In der Folgezeit wachsen an diesen Stellen wieder Gräser und Heublumen, die wiederum von Kühen gefressen, verdaut und anderenorts als frischer Kuhfladen ausgeschieden werden und neuen Insekten ein einzigartiges Biotop bieten.

Darum sind die Kuh und ihr Fladen wichtig für die Artenvielfalt

Die Kühe sind aus der Geschichte der Graslandschaften nicht mehr wegzudenken, sie waren die letzten Jahrtausende maßgeblich an der Bildung von fruchtbarem und Co²-speichernden Humusboden beteiligt und trugen dazu bei, dass weltweit etwa ein Drittel des globalen Kohlenstoffs in den Wiesen gespeichert ist.    

Gerade in der Heuwirtschaft wird die Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt auf unseren heimischen Wiesen ernst genommen, weil sie besonders wichtig für die Gesundheit von Tieren und Menschen ist. Die Kühe leisten hierbei einen wichtigen Beitrag, erzeugen bestimmte Muster von Vegetationsstrukturen und prägen den Lebensraum von vielen Pflanzen- und Insektenarten. Die Wiesen sind somit ein unverzichtbarer Teil der Lebensgrundlage von uns Menschen, bei dem die Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der verschiedenen Lebewesen oftmals in Vergessenheit geraten sind.

Heuschrecken, Schmetterlinge & Co brauchen Kühe und der Kuhfladen wird zum Sinnbild einer ewigen Kreislaufwirtschaft und der Erhaltung wichtiger Funktionen im Ökosystem.

Geschichten aus dem Heumilchsommer

Es ist Herbstbeginn. Auch wenn einige von euch die warmen Sommertage und den Sprung in die angenehm erfrischenden Bäche oder Seen vermissen werden, um gleich danach ein Eis auf der Picknickdecke zu genießen. Wer liebt es nicht seit seinen Kindertagen, das raschelnde Laub unter seinen Füßen? Oder wenn die bereits tiefer stehende Sonne die Blätter in herrlich bunten Farben erleuchten lässt? Wenn die warmen Farben von gelb bis braun, von orange bis rot die Spaziergänge in unserer Region zu einem besonderen Erlebnis mit einem regelrechten Farbenrausch zum Genießen machen. Die vielen Bänke auf den Wanderwegen laden ein, die Seele baumeln zu lassen und den Heumilchkühen beim Grasen auf den Herbstwiesen zuzuschauen.

Bevor es jetzt Zeit wird, die wunderschönen Seiten des Herbst zu entdecken, teilen unsere Woerle-Milchbauern Christine und Johann aus Oberhofen mit Euch noch einmal ihre schönsten Bilder und Erinnerungen an den vielfältigen Heumilchsommer, damit wir uns schon gemeinsam auf den nächsten freuen können:

Foto: ©vogl-perspektive.at

Konrad Steiner (Bauer & Biologe), Gerrit Woerle, Familie Rillinger vulgo Huber (Woerle Heumilchbauern)

Schlafen im Heublumenbett

Für die fleißigen Insekten sind Ruhephasen und ein gesunder Schlaf genauso überlebenswichtig wie für uns Menschen. Die Schlafgewohnheiten der Wildbienen sind je nach Art sehr unterschiedlich, viele von ihnen schlafen jedoch eher nachts oder bei schlechtem Wetter, manche schlafen oder ruhen bis zu 10 Stunden. Doch sie können sich nicht ins Bett legen und einfach abschalten. Das Leben in freier Wildbahn erfordert von ihnen raffinierte Schlafgewohnheiten. Einige von Ihnen ruhen im Nest und bewachen ihre Pollen- und Nektarvorräte im Schlaf. Andere klammern sich mit ihren Beinen oder verbeißen sich mit ihren Mundwerkzeugen in Pflanzenteile und schlafen „hängend“. Und dann gibt noch die Blütenschläfer, die in den Blütenkelchen schlafen. Häufig findet man dort nicht nur einzelne Bienen, sondern mehrere, die eng aneinander mit ihren Artgenossen kuscheln.

Wir konnten es gar nicht glauben. Wir haben diesen Sommer das große Glück gehabt, uns wirklich über 3 Bienenmännchen der Sägehornbiene (Melitta haermorrhoidalis) zu freuen, die zusammengekuschelt in der Glockenblume geschlafen haben. „Es ist so niedlich und wir sind so stolz auf das, was wir Besonderes bei uns in der Landwirtschaft haben und jetzt habe ich sogar so ein einzigartiges Foto und kann der Verwandtschaft und Freunden diese Schönheiten endlich mal zeigen“, freute sich die Bäuerin.

Die Landschaft veränderte sich in den letzten Jahrzehnten stark. Wertvolle Strukturen wie ungedüngte Wegränder, liegengelassene Holzhaufen am Waldes- und Wiesenrand, Hecken, Raine, wucherndes Altgras oder Brennnesseln verschwanden in vielen Regionen Österreichs. Diese sind aber wichtige Nist- und Lebensräume oder Rückzugsorte für Fauna und Flora in der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft.

Schmetterling oder Ameise?

Der Thymian-Ameisenbläuling (Maculinea arion) ist im Flachgau einer der größten Bläulinge und gleichzeitig eine bedrohte und EU-weit streng geschützte Art. Seine Flügeloberseiten sind einheitlich mattblau. Auffallend sind vor allem die großen schwarzen Flecken auf der Oberseite seiner Vorderflügel und seine schwarzen Flügelränder. Er legt seine Eier ausschließlich auf Thymian- oder wildem Majoranblättern ab und die geschlüpften Raupen fressen sich durch die Blütenstände, bis der wundersame Lauf der Natur startet: Die Raupen lassen sich von Knotenameisen „adoptieren“ und überwintert in deren Ameisenbau und leben räuberisch von deren Brut. Warum werden sie nicht als Feind erkannt? Die Knotenameisen „züchten“ und „melken“ normalerweise Blattläuse, die den sogenannten Honigtau als Nahrung für sie produzieren. Die Raupe sondert diese süße, für die Ameisen unwiderstehliche Flüssigkeit ab und „tarnt“ sich so als nie endende Honigtauquelle. Zudem sind sie in der Lage, den Nestgeruch der Ameisen zu imitieren. Bis zur Verpuppung frisst die Raupe bis zu 600 Ameisenlarven. Meist schlüpft die Raupe Anfang Juli und dann gilt es schnellstens den Ameisenbau zu verlassen, denn der geschlüpfte Schmetterling sondert keinen süßen Saft mehr ab und ist so nicht mehr getarnt. Hat er dies geschafft, können wir den wunderschönen Bläuling im folgenden Sommer wieder beim Fliegen und Nektarsammeln an den Rändern der Heumilchwiesen beobachten.

In Oberhofen haben wir im Juni, den immer seltener werdenden, wildwachsenden Thymian auf einer der Wiese vorm Haus entdeckt. Er wird ab jetzt künftig immer bis zum Schlupf der Raupen des Ameisenbläulings stehen bleiben, damit sich der bedrohte Schmetterling wieder ungestört vermehren und überleben kann, durch dessen Raupen „kontrollierte“ Vermehrung der Ameise gleichzeitig die Pflanzen im Garten auf natürliche Weise vor vermehrten Blattlausbefall geschützt werden. Und: Der Teenager im Haus braucht weniger Rasen mähen und hat ab jetzt mehr Freizeit 😊

„Das sind für uns wirklich wundervolle gemeinsame Erlebnisse und viel wichtiges Wissen über unsere Natur. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Projekt – Artenschutz in Bauernhand – künftig noch mehr solche Wunder der Vielfalt mit unseren Milchbauern erleben und dokumentieren können und Außenstehende motivieren, mit uns die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und zu fördern“, wünscht sich Diana Reuter, Mitarbeiterin von Woerle. 

Reichhaltiges Insektenbuffet

Ein Garten ohne Insekten? Nahezu unvorstellbar. Es gibt zahlreiche Pflanzen, die von Bienen und Insekten angeflogen werden, weil sie eine wertvolle Nahrungsquelle sind und Pollen und Nektar spenden. So ist auch der wilde Thymian ein regelrechter Insektenmagnet. Im Gegensatz zum Echten Thymian hat der wilde Thymian intensiv grüne, glatte Blätter ohne Härchen. Er lässt sich wie der echte Thymian in der Küche als Gewürz verwenden, aber in voller Blüte wird er auch zum beliebten Freund von Bienen und anderen Insekten.

Als wir das Treiben im wildwachsenden Thymian genauer beobachtet haben, konnten wir sogar den Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas) fliegen sehen, der in Europa zwar noch oft vorkommt, jedoch in der Flachgauer Region immer seltener anzutreffen ist. Seine Flügeloberseiten sind orangerot dunkelbraun gefärbt. Nahe dem Rand sind mehrere dunkle Würfelflecken auf den Vorderflügeln erkennbar. Er bewohnt verschiedenste Lebensräume, vor allem aber locker bewachsene und offenere Landschaften, wie beispielsweise Sandgruben, andere sandige Gebiete oder Wegränder. Die Raupe des tagaktiven Schmetterlings ist ein wichtiger Nützling, denn die wichtigsten Nahrungspflanzen für die Raupen des Kleinen Feuerfalters sind verschiedene Ampfer-Arten. „Wir freuen uns, dass Tier, Mensch und Natur gleichermaßen durch unsere naturnahe Heubewirtschaftung profitieren“, verrät uns Christine.