Orientierungshilfe im Gütesiegel-Dschungel

Kaum ein Produkt kommt noch ohne aus: Label dienen Verbrauchern als schneller Wegweiser durch die Vielfalt der Warenangebote. Sie sollen über die Qualität eines Produkts Auskunft geben und Anbieter als vertrauenswürdig ausweisen. Beim Lebensmitteleinkauf orientieren sich 47 Prozent an Gütesiegeln. Das ergab eine Umfrage von Greenpeace vom Jänner 2018 unter über 1000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren. Doch nicht jedes Label ist selbsterklärend. Daher wollen wir heute einige Label und Gütesiegel kurz erklären.

Heumilch ist eine „garantiert traditionelle Spezialität“

Seit 2016 zeichnet das EU-Gütesiegel g.t.S. – garantiert traditionelle Spezialität – die besondere Wirtschaftsweise der Heuwirtschaft aus. Heumilch g.t.S. steht für einen besonderen Schutz für noch mehr Qualität und Unverfälschtheit.

Das AMA-Bio-Gütesiegel

Beim rot-weißen AMA-Biosiegel mit der Herkunftsangabe „Austria“ stammen alle wertbestimmenden landwirtschaftlichen Bio-Rohstoffe ausschließlich aus Österreich. Das gilt auch für verarbeitete Lebensmittel, die aus mehr als einer Zutat bestehen. Nur ausnahmsweise dürfen Bio-Zutaten bei solchen biologischen Lebensmitteln aus einem anderen Land stammen – etwa, wenn eine Bio-Zutat in Österreich nicht oder nicht in marktrelevanten Mengen erzeugt wird. Und selbst dann dürfen diese Bio-Zutaten maximal ein Drittel des Produktes ausmachen. Generell beruht das AMA-Biosiegel auf 7 Säulen: 1. Landwirtschaftliche Zutaten 100 Prozent Bio; 2. Hohe Bio-Qualität; 3. Gute Herstellungspraxis; 4. Naturbelassenheit; 5. Nachvollziehbare Herkunft; 6. Keine chlorhaltige Verpackung; 7. Unabhängige Kontrolle.
Übrigens: Greenpeace hat für österreichische Bio-Siegel viel Lob übrig. Die Standards sind hier meist weit höher als die von der EU vorgegebenen Richtlinien.

EU-Bio-Logo

Das EU-Bio-Logo ist ein unabhängiges, offizielles Gütezeichen. Alle Bio-Nahrungsmittel, die innerhalb der EU produziert werden, müssen das grüne EU-Bio-Logo auf der Verpackung tragen.

Ein Lebensmittel darf nur dann „bio“ genannt werden, wenn es zu mindestens 95 Prozent folgenden Kriterien entspricht:

  • Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel
  • höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar
  • artgerechte Haltungsformen
  • biologische Futtermittel sowie Verbot von Antibiotika zu anderen als medizinischen Zwecken
  • Verbot von Gentechnik
  • in verarbeiteten Lebensmitteln sind nur 49 Zusatzstoffe erlaubt (statt der 316 in konventionellen Produkten)

Außerdem muss auch angegeben werden, aus welchem Land das Produkt kommt.

Geprüfte Heumilchqualität

Alle Heumilchbauern und -verarbeiter unterliegen dem Heumilch-Regulativ. Nur sie können ihre Produkte mit dem Heumilch-Logo auszeichnen, das Bestandteil des AMA-Gütesiegels ist. Die wichtigsten Kriterien des österreichischen Heumilch-Regulativs sind:

  • Naturnahe Fütterung im Jahresverlauf: Heumilchkühe bekommen ausschließlich frische Gräser und Kräuter, Heu, sowie als Ergänzung mineralstoffreichen Getreideschrot.
  • Vergorene Futtermittel sind strengstens verboten.
  • Die traditionelle Wirtschaftsweise der Heumilchbauern trägt entscheidend zum Schutz der Umwelt und zur Artenvielfahrt bei.
  • Mehr Geschmack: Das artenreiche Futter erhöht die Qualität und das Aroma der Heumilch.
  • Wertvoller Rohstoff: Heumilch ist aufgrund ihrer hohen Qualität ideal für die Herstellung von Käsespezialitäten geeignet.
  • Alle Heumilchprodukte sind kontrolliert gentechnikfrei.
  • Heumilch ist durch unabhängige Kontrollstellen zertifiziert.

Laktosefrei Siegel

In Österreich darf Käse als „laktosefrei“ bezeichnet werden, wenn er weniger als 0,1% Laktose enthält. Grundsätzlich gilt: Je länger ein Käse gereift ist, umso weniger Laktose enthält er. Denn während des Reifeprozesses wird die Laktose in ihre Bestandteile Glukose und Galaktose gespalten und dann zu Milchsäure umgewandelt. Von Natur aus laktosefrei sind zum Beispiel Emmentaler und Bergkäse, sowie Mondseer und Gouda.

Ohne Gentechnik hergestellt

Lebensmittel, die dieses Zeichen führen, sind mit Sicherheit ohne Gentechnik hergestellt. Die dafür geltenden Produktionskriterien werden regelmäßig von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft, der Name bzw. die Kontrollnummer der überprüfenden Kontrollstelle werden am Produkt angeführt.